13.9.02

Darwinmag, sicherlich nicht in Gefahr, sich in obskuren Ecken der IT-Gemeinde zu verlieren ("No Jargon. No Technobubble. Just Straight Talk about Business Survival"), hat klogging (knowledge blogging, Weblogs im Unternehmen) als wichtigen Bestandteil des Wissensmanagement entdeckt.

"Bloggers and Marketers", die dieswöchige "Answering Machine"-Kolumne, kann als erste Einführung in das Thema gelesen werden: "Blogs sind ein neuer Weg, nicht nur arbeitsspezifisches stillschweigendes Wissen zu erfassen, sondern darüber hinaus das perönliche Wissen desjenigen, der das Weblog schreibt."

(via Means Business Newsletter)

Wesentlich mehr über Weblogs als Bestandteil des Wissensmanagement demnächst!
Gute Einfälle hat man leicht, gute Umsetzung ist viel schwerer. Michael Schrage, Ko-Direktor der eMarkets Initiative des MIT Media Lab, beginnt seine neue Kolumne "Making IT Work" für cio.com mit Gedanken daüber, wie die Implementierung neuer Technik allzu oft als Selbstgänger betrachtet und Consultants oder mittlerem Management überlassen wird.

Die Einführungsphase ist jedoch fast nie problemlos. Sollte man sie darum als notwendiges Übel betrachten, das die Brillianz der ursprünglichen Ideen verschleiert? "Implementation dreht sich ganz um Erforschung und Entdeckung" von Kunden- und Mitarbeiterinteressen und -widerständen. Genug Grund für das Top-Management, sie zu einer Priorität zu machen, sollte man meinen ...

Schrages monatliche Kolumne wird an konkreten Fallbeispielen Ideen und ihre Umsetzung verfolgen - hört sich vielversprechend an!

(via Means Business Newsletter)

12.9.02

Effizienz und Effektivität. Ein kurzer Artikel in "Baseline" über den Nutzen produktivitätssteigernder Software.

Der Grundgedanke des Textes: Die tatsächliche Produktivität steige nie in dem erwarteten und technisch möglichen Maße - und dies gelte umso mehr für Angestellte, deren Arbeitsergebnisse nicht ohne weiteres quantifizierbar seien. Beigefügt ist die Do-it-yourself-"Slack"-Kalkulationshilfe. Soll ich das nun mit 'Leerlauf' übersetzen?

Wie auch immer, ganz so einfach ist es nicht. Womöglich telefoniert die Kundenbetreuerin in der durch Knowledge Management-Software gewonnenen Zeit auch mal mit der Freundin. Wichtiger jedoch: Was wird hier gemessen? Genau - Effizienz. Wieviel mehr wurde vom Gleichen erledigt, also in diesem Fall, wieviel mehr Kunden am Tag abgefertigt?

Effektivität ist im Falle von qualifizierter Arbeit etwas anderes. Zum einen geht es hier auch um Qualität: Steigt mit besserer Beratung die Zufriedenheit der Kunden - bleiben sie also der Firma treu?

Zum anderen ist "Slack" auch Denkzeit, und das ist in den meisten Berufen nichts grundsätzlich Schlechtes. Nehmen wir an, unsere Kundenbetreuerin nutzt ihre frei gewordenen zehn Minuten dazu, einen Verbesserungsvorschlag für die Anleitung auf Seite 37 des Handbuchs, mit der offenbar kein Kunde etwas anfangen kann, in die neue Software einzutippen. Die wird wiederum konsultiert, wenn es um die Online- und nächste Druckversion des Manuals geht.

Das ist nicht ganz so leicht messbar - aber effektiv weit über kleine Zeiteinsparungen hinaus.

10.9.02

Was ist der Unterschied zwischen erfolgreichen und scheiternden Wissensmanagement-Initiativen? Ein McKinsey-Report auf der Seite des Canadian Institute of Knowledge Management Research darüber, wie Wissenserwerb, Kollaboration und Initiative gestärkt werden können.
"Context is the holy grail for e-Learning". Ein interessantes Interview des distance-educator.com mit Jonathan Levy, VP Harvard Business Online Enterprise Solutions setzt Qualität und maßgeschneiderte Angebote gegen die Vorstellung, dass Online-Lernen die Billigversion eines Klassenraum-Erlebnisses sei.

Levy geht weit über die räumliche und zeitliche Unabhängigkeit hinaus, die üblicherweise für Online-Lernen in's Feld geführt wird.

Beispiele:
- Unternehmensinterne Mentoren verbinden Online-Inhalte mit Offline-Anforderungen.
- Lernen, was man braucht, wann, wie und wo man es braucht, heißt auch, dass Inhalte je nach Situation und Bedarf des Lernenden unterschiedlich zu präsentieren und gewichten.
(Sich) mitteilen. Die Grenzen mögen fließend sein, aber wo Weblogs von ihrem Bezug auf Nachrichten und Außenwelt leben und öffentlichkeit herstellen (wollen), sind Online-Tagebücher eine relativ intime Angelegenheit für den engeren oder weiteren Freundeskreis, Mitteilungen über Seelenzustand und Tagesgestaltung. LiveJournal etwa erlaubt seinen 690.000 registrierten, meist sehr jungen Schreibern (interessanterweise immer noch seltener Schreiberinnen), die Leserschaft auf wenige Vertraute zu beschränken, die dann nicht alle einzeln angerufen oder per e-mail über neue Lieben und Schulärger auf dem Laufenden gehalten werden müssen. (via New York Times)
Aus gegebenem Anlass ein AP-Artikel via Lot 49:

Overview of Changes to Legal Rights

Some of the fundamental changes to Americans' legal rights by the Bush administration and the USA Patriot Act following the terror attacks:

* FREEDOM OF ASSOCIATION: Government may monitor religious and political institutions without suspecting criminal activity to assist terror investigation.

* FREEDOM OF INFORMATION: Government has closed once-public immigration hearings, has secretly detained hundreds of people without charges, and has encouraged bureaucrats to resist public records requests.

* FREEDOM OF SPEECH: Government may prosecute librarians or keepers of any other records if they tell anyone that the government subpoenaed information related to a terror investigation.

* RIGHT TO LEGAL REPRESENTATION: Government may monitor federal prison jailhouse conversations between attorneys and clients, and deny lawyers to Americans accused of crimes.

* FREEDOM FROM UNREASONABLE SEARCHES: Government may search and seize Americans' papers and effects without probable cause to assist terror investigation.

* RIGHT TO A SPEEDY AND PUBLIC TRIAL: Government may jail Americans indefinitely without a trial.

* RIGHT TO LIBERTY: Americans may be jailed without being charged or being able to confront witnesses against them.

Copyright © 2002, The Associated Press

Zum Thema Rede- und Informationsfreiheit gibt's wesentlich mehr bei The Memory Hole, einer Seite mit dem Motto "Rescuing Knowledge, Freeing Information".

Schwerpunkt ist, wie zu erwarten, 9/11 und der Krieg in Afghanistan, aber der Journalist Russ Kick findet auch die erstaunlich wandlungsfähige Biographie des US Army Secretary Thomas White oder den Umgang des Staates Oregon mit seiner Eugenik-Geschichte - alles, was die Beteiligten lieber unter dem Mantel des Vergessens sähen.
Summertime, and the living is ... Vor zwei Wochen, als es kühler zu werden schien, habe ich meinen Schreibtisch aus dem Zimmer mit Klimaanlage in das mit Aussicht verlegt, und jetzt, bei 30 Grad in Manhattan, ist an den Nachmittagen an Arbeit nicht zu denken.

Also Fahrradausflug, zuerst zum Great Lawn. Blick nach Süden, wo das Belvedere Castle (eines dieser nachgebauten Schlösschen aus dem 19. Jahrhundert, die auch in Europa herumstehen) vor dem AOLTimeWarner-Luftschloss fast verschwindet. Ob sie die beiden Wolkenkratzer wohl noch brauchen werden, wenn sie fertig sind?

Auf die Westseite, und den Fahrradweg am Hudson River entlang. Mehr Ruinen, ausgebrannte Industriearchitektur, die im Fluss steht als pittoresker Hintergrund für die Parklandschaft, die hier entsteht. Und dann ein Blick auf die Wohntürme, die Trump auf der anderen Seite des Highway gebaut hat...

Nächsten Monat bin ich in Berlin, und ich habe jetzt schon Heimweh nach diesem surrealen Ort hier.

All das vor dem Hintergrund, dass überall in der Stadt Bühnen für die Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag aufgebaut werden, Hubschrauber kreisen, Freunde sich überlegen, ob sie morgen wirklich in der Stadt sein wollen... Wenn mir ziemlich eigenartig zu Mute ist, dann wegen der Erinnerung an den ebenso traumhaft schönen Spätsommertag vor einem Jahr, und vielleicht der Angst vor "Trittbrettfahrern".

9.9.02

Wie können Firmen eine gleichmäßig hohe Datenqualität und -integrität sichern? CW360 stellt ein White Paper der ButlerGroup vor, das neben allgemeinen Qualitätskriterien einschlägiger Software auch eine Marktübersicht enthält.
Microsoft veröffentlicht heute das sogenannte Service Pack 1, das nicht nur Sicherheitsprobleme von WindowsXP lösen soll, sondern vor allem eine Reaktion auf Auflagen ist, die die Einigung im Antitrust-Prozess vorschreibt. Insbesondere wird dieser Patch es Herstellern und Händlern erlauben, Microsoft-Programme zu verstecken bzw. mit Programmen anderer Hersteller zu ersetzen. (siehe USAToday)

Eingeschobene Produktwerbung: Netscape7, vor kurzem veröffentlicht, macht glücklich, und außerdem integriert es extrem unkompliziert alle alten Settings, inklusive sämtliche e-mail!

Mein WindowsXP hat mich bisher noch nicht über automatische Updates benachrichtigt, und als ich neugierhalber (und vergeblich) auf Microsofts Website herumstöberte, fand ich stattdessen dies: Internet Explorer als Voraussetzung für das Update von OfficeXP.

Da ist die Frage ja wohl nicht nur, ob die Antitrust-Regulierung bei dem jetzigen Marktanteil des Internet Explorers noch greifen kann, sondern eher, ob sich überhaupt etwas ändert.
Researchbuzz meldet, dass MetaCrawler jetzt auch Google-Ergebnisse indiziert - was lange währt ...
Erleichterung! Als ich mein heiß geliebtes Daypop in die Linkliste stellte, war ich mir nicht so sicher, ob es wieder benutzbar werden würde: seit Tagen nur Fehlermeldungen und keinerlei Erklärung auf der Seite?!?

Danke an den Hairy Eyeball, der per e-mail und Blog mitteilt, dass auch Online-Berühmtheiten manchmal die virtuelle Welt gegen realen Urlaub eintauschen. Dan Chan und Daypop werden Mitte September zurück sein.

8.9.02

"Allem Anfang wohnt ein Zauber inne(?)" Nach stundenlangem Linklisten-Basteln nicht ganz so sicher, aber spannend ist es schon, was bei diesem Unterfangen wohl herauskommen wird.

Titel und Motto dieses Blogs sind Borges-Zitate, und damit ist auch so ungefähr abgesteckt, was mich interessiert: Wissen und Nichtwissen, Sprache, Literatur und Kommunikation.

Ein praktischer Bezug zu Wissensmanagement und Lernen in Organisationen wird vermutlich meistens da sein - das ist schließlich mein Beruf. Was nicht heißt, dass es an Abstechern fehlen wird: Seitenwege sind interessanter als Autobahnen.