22.9.02


Noch eine andere Seite von New York, weit draußen im äußersten Südosten von Brooklyn: Coney Island und Brighton Beach. Seejungfrauen, verblichene Vergnügungsparkpracht, Fischer in idyllischem Panorama (es sei denn, man blickt weiter nach rechts auf Lagerhallen und Fabriken), und für unser Picknick am Strand entdeckt mein Begleiter in einem russischen Supermarkt den Rotkohlsalat, den seine Mutter ihm als Kind immer machte.

20.9.02

Zu viel Interessantes, zu wenig Zeit ... Heute das erste von zwei Themen, über die ich seit Tagen schreiben will: ein Artikel von Clay Shirky.

Er schreibt über Broadcast Institutions, Community Values. Es geht um große Institutionen, speziell in den Massenmedien, die Communities aufbauen und nutzen wollen.

Die Grundthesen:
1. Eine Zuschauer- oder Leserschaft baut man auf. Communities wachsen.
2. Communities müssen zwischen Größe und Fokus abwägen.
3. Partizipation ist wichtiger als Qualität.
4. Der Firma mag die Software gehören, aber die Community gehört sich selbst.
5. Die Community wird sich entwickeln und verändern wollen. Das sollte unterstützt oder zumindest zugelassen werden.

Kompetent, lesenswert, und wichtig für alle, die an eine zu direkte Beziehung zwischen der Herstellung von Öffentlichkeit und Geschäftsergebnis glauben.

Interessant, und auf Weblogs wie auch auf andere Formen des Wissensmanagement übertragbar, finde ich besonders die dritte These. Wo traditionelle Medien zuerst aussieben und dann publizieren, ist hier der Gang der Dinge genau andersherum.

"Was Medienleute nicht verstehen ist, dass die redaktionelle Auswahl im Nachhinein durchgeführt wird, nicht vorher. Google gibt Webseiten entsprechend dem Gesamturteil von Surfern aus, Slashdot lässt Surfer Artikel bewerten, und natürlich redigieren Leser immerzu, indem sie nämlich auswählen, was (und wen) sie lesen.

Jeder, der jemals eine Mailingliste mit vielen Teilnehmern abonniert hat, weiß, dass es Leute gibt, die immer etwas Interessantes zu sagen haben, und andere, die man gewöhnlich ignorieren kann. So lässt sich die Qualität des Lesestoffs regulieren, ohne kontrollieren zu müssen, was geschrieben wird. Weil sie so ans Auswählen vor Veröffentlichung gewohnt sind, versuchen Medien häufig, Mindeststandards in Community-Diskussionen zu setzen. Doch das schadet der Lebendigkeit der Auseinandersetzung."

Ich erinnere mich an ein Knowledge Management-Team, das den Firmenmitarbeitern noch Qualitätsstandards vorschreiben wollte, als die Community-Foren schon längst gähnend leer waren ... Es gibt keinerlei Grund, auf mittelmäßige Beiträge zu verzichten bzw. sie zu entmutigen - per Referendum (Verlinkung, Erwähnungen, Bezüge) werden sich immer diejenigen Beiträge, die für eine bestimmte Öffentlichkeit von Bedeutung sind, heraus kristallisieren.

19.9.02

Das European Knowledge Management Forum, gegründet 2001, vereint mehr als 40 europäische Organisationen. Ziel ist es, eine gemeinsame europäische Basis für Standards, Best Practices und Ideen im Knowledge Management zu schaffen. Hervorragend - und die nunmehr fertiggestellte Internetseite KnowledgeBoard.com sieht mit lebendigen Diskussionsforen, Veranstaltungskalender, Jobbörse und vielfältigen Materialien sehr einladend aus.

Der erste der angekündigten monatlichen Projektschwerpunkte oder "themebased communities" ist im Oktober "What type of business problems can you solve with KM?" Online-Präsentationen, -Workshops, -Interviews und -Umfragen machen die Masse der Veranstaltungen aus, Höhepunkt sind aber Workshops und Präsentationen in Prag und bei Siemens in München. Ich habe den vorläufigen Ablauf jedenfalls in meinem Kalender.

17.9.02

Wissen als Wettbewerbsfaktor. May Yap und Alan Fan schreiben in "The Edge Daily" über "Encouraging Knowledge Sharing"

"Wissensmanagement muss von Strategie ausgehen. Eine strategische Sicht heißt, dass Initiativen nicht auf Technologien oder Betriebsabläufen fußen, sondern auf erzielbare und messbar nachhaltig verbesserte Geschäftsergebnisse ausgerichtet sind." Die Autoren gehen auf Vorgaben und Planung, veränderte Führungskonzepte und Unternehmenskultur ein. (Via Synapshots)

16.9.02

Das Whitney zeigt mal wieder ein wegweisendes internetbasiertes Kunstprojekt.

Inspiriert von Buschs "Achse des Bösen", hat Golan Levin eine Weltkarte ins Netz gestellt. Wer auf drei beliebige Länder klickt, erfährt, welche "Achse" sie denn nun tatsächlich bilden. Was haben die USA mit Libyen und Irak gemeinsam?

(via David Strom's Web Informant)