20.10.02


Ist das jetzt Heim- oder Fernweh? Central Park im September.

All about the "Daily Me". "Educause Review" bringt zwei Features über die Vor- und Nachteile von Personalisierung. Jede Nachrichtenseite, die auf sich hält, erlaubt ihren Lesern, sich die Themen, die sie interessieren, heraus zu filtern, was im Normalfall auch heißt, andere Nachrichten zu unterdrücken. (Mir gefällt besonders "Personalize your Weather" - irgendwie hat das in New York allerdings besser funktioniert als in Berlin.)

Auch bei Unternehmensportalen ist das ein großes Thema: "Pull" statt "Push" von Wissen, oder "Just in Time"-Wissensmanagement, d.h. den Mitarbeitern genau das Wissen, das sie brauchen, genau dann zukommen zu lassen, wenn sie es brauchen. Gibt das den Lesern/Informationssuchenden/Mitarbeitern mehr Selbstbestimmung und "erweitert ihren Horizont", wie Twenty Years of Personalization argumentiert? Wie ernst zu nehmen ist die Schattenseite, nämlich, wie in MyUniversity.com? ausgeführt, der Tunnelblick derjenigen, die sich aussuchen, welche Informationen sie zulassen wollen?

(via The Shifted Librarian, via The Virtual Chase)

18.10.02

Schreiben, schreiben, schreiben, und - lästiger - formatieren, formatieren, formatieren, um meinen Zwischenbericht noch vor New Yorker Feierabendzeit abschicken zu können... und dann ein Häppchen Mighty Girl - mein Rücken fühlt sich gleich entspannter an.

17.10.02

"Forced blogging=flogging?" Das ist der Titel, den Jim McGee für seinen Erfahrungsbericht über den Einsatz von Blogging in einem Kurs an der Kellogg Business School gewählt hat.

Hintergrund ist die Diskussion um den Einsatz von Blogs als Wissensmanagement-Tool (Klogs), die seit einiger Zeit intensiv von Phil Wolff, McGee und anderen geführt wird. Das sind natürlich lauter "Gleichgesinnte", Leute, die irgendwann diese Form von Kommunikation und Wissensaustausch für sich entdeckt haben und sich kein Leben ohne News-Aggregator mehr vorstellen können. Tatsächlich sind wir aber eine kleine Minderheit, umso mehr auf dieser Seite des Atlantik. Das wird zum Thema, wenn Leute, die noch nie von Blogs gehört haben, plötzlich aufgefordert werden, doch welche zu führen - hier MBA-Studenten, aber die Situation in Unternehmen, die Klogging erwägen, ist ähnlich.

McGee widmet sich auch technischen Fragen. Er ist Userland-Verfechter, und natürlich hat Radio schöne Community-Features wie den eingebauten Aggregator, XML-feed, Ping und alle möglichen Listen, die ich mir bei Blogger mühsam aus dem Netz zusammensuchen muss. Persönlich kann ich die Radio-Oberfläche, die die Technik vor mir versteckt und alles anders nennt als jeder andere, nicht ausstehen - aber das ist Geschmackssache.

Zum Nachlesen, worum's bei Klogging überhaupt geht, empfehle ich Phil Wolffs klogs-Kategorie auf a klog apart und im Journal of Extrapeneurial Strategy & Technology.

15.10.02

Endlich hab ich mir Organica angesehen, das neue Projekt von Ask Bjørn Hansen, das vor ein paar Tagen von vielen erwähnt wurde.

Ein sehr schönes Tool, das Weblogs crawlt, listet, wer wann zu wem linkt, und welche Themen gerade "heiß" sind. Organica kann noch nicht alles, was angekündigt ist, aber die Suche nach Links von und zu einem Weblog funktioniert - vorausgesetzt er ist bei Weblogs.com registriert. Noch nicht drin? Das lässt sich nach dem nächsten Update auf der Ping-Seite ändern.
Kumquat's Musings - ein ziemlich neues Weblog zu Technologie und Kollaboration von Andy Chen.

Besonders interessant fand ich seine Gedanken zu Community und Rating.

Das User-Rating funktioniert bei Amazon, e-bay und Slashdot ganz wunderbar: Dort ist es das einzige Mittel, Glaubwürdigkeit und Kompetenz von Unbekannten einzuschätzen. In einem Intranet, in dem Mitarbeiter sich oft kennen, zusammen gearbeitet haben und das wieder tun werden, sieht das anders aus. Die Einschätzung von Beiträgen könnte durch persönliche Beziehungen und Machtstrukturen verzerrt werden. Schlimmer noch: Wenn ein System aus Diskussionsteilnehmern Richter über Qualität macht, ist das der erste Schritt zum Verstummen vieler Mitarbeiter.

"Wenn Firmen Communities schaffen und fördern, die Innovation hervorbringen sollen, müssen sie sorgfältig abwägen, welche Hebel nur 'interessant' sind, und welche tatsächlich die Diskussionen verbessern."

Nach meiner Erfahrung entstehen in halbgeschlossenen Gemeinschaften wie Communites im Intranet sehr schnell Rollen, und besonders kompetente oder hilfreiche Mitglieder werden auch ohne formales Ranking anerkannt. Eine Möglichkeit, besonders gut geschriebene oder anwendbare Beiträge hervorzuheben (zum Beispiel durch Links - das sollten wir doch aus Weblogs gelernt haben), ist da viel hilfreicher und erleichtert Suchenden die Navigation.

Eine weiterführende Frage ist natürlich, wie das Engagement von Mitarbeitern in Communities in die Personalbeurteilung einfließt. Wie kriegt man es hin, dass Zusammenarbeit und das Mitteilen von Informationen höher bewertet werden als "Ich weiß was, das du nicht weißt"? Und das ist allerdings ein weites Feld ...

14.10.02

Ein Kettenbrief, gerade angekommen aus New York:

"Today we are at a point of imbalance in the world and are moving toward what may be the beginning of a THIRD WORLD WAR. If you are against this possibility, the UN is gathering signatures in an effort to avoid a tragic world event. Please (...) sign at the end of the list, and send it to all the people whom you know. If you receive this list with more than 500 names signed, please send a copy of the message to: unicwash@unicwash.org."

"If you are against this possibility..." ?!? Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht. Den Wunsch, etwas zu tun, kann ich nur zu gut nachvollziehen. Aber diese "Petition" können auch George Bush und Saddam Hussein unterschreiben, ohne dabei in irgendwelche Gewissensnöte zu kommen. Der eine oder andere konkrete Gedanke hätte nicht geschadet, und angemessene Adressaten auch nicht.

Unicwash, das Informationszentrum der Vereinten Nationen, reagiert so:

"We have learned that there is a new petition circulating that claims to have been started by our office -- we have not, nor have we ever, initiated any petition. While we were heartened by this effort, the United Nations Secretariat (to which we are employed) is an implementing organ for the actions and programs agreed upon and supported by its 189 Member States.

Therefore, if individuals really want their voices heard by these decision-makers, they should contact their governments and mission to the UN to express concerns and views. (We would discourage mass correspondence through emails though!).

Permanent Missions to the United Nations
For US Citizens: US House of Representatives, US Senate and the White House.

Thank you."