3.11.02

Passwort gegen Kugelschreiber. "Ein Unternehmen für IT-Sicherheit ließ Pendler in der Londoner Victoria Station nach ihrem Computerpasswort fragen. Wer es nannte, bekam einen Kugelschreiber. Zwei Drittel der Angesprochenen ließen sich auf den Deal ein.

'Social engineering attack' nennt der 'Profihacker' Kevin Mitnick die Methode, Leute am Telefon dazu zu bringen, ihre Passwörter zu verraten: I was so successful in that line of attack that I rarely had to go towards a technical attack. The human side of computer security is easily exploited and constantly overlooked. Companies spend millions of dollars on firewalls, encryption and secure access devices, and it's money wasted, because none of these measures address the weakest link in the security chain.'"

(Karina Matejcek auf eDings.de, mit einem Hinweis auf einen Economist-Artikel über das Sicherheitsrisiko Mensch)




Derzeitiger Gast-Blogger auf BoingBoing ist Clay Shirky, der immer noch auf ein eigenes Weblog warten lässt. Sein Thema: Wie die Blogosphere dezentralisierte Inhalte durch neue Tools immer besser vernetzen kann. Besonders weist er hin auf The Weblog Metadata Initiative, die jetzt Blogger zum Testlauf aufruft. Deren Konzept ist kollaborativ und standardorientiert und damit ambitionierter als etwa Blogdex oder Organica.

2.11.02

Das Microsoft-Urteil ist gesprochen, die von neun Staaten angestrebte Verschärfung der Rechtsprechung des Department of Justice gescheitert. Damit könnte auch einem zweiten von neun anderen Staaten angestrebten Verfahren die Grundlage entzogen sein. Hier der Wired News Artikel und der ZDNet Kommentar.
Nachtrag zum Thema "Netzwerkanalyse". Wer mehr zur Theorie und vor allem auch den "anderen Einsatzbereichen" wissen will, sollte unbedingt diesen sehr grundsätzlichen Aufsatz lesen, auf den ich gerade auf seltsamen Umwegen gestoßen bin: "Networks, Netwars, and the Fight for the Future" von David Ronfeldt und John Arquilla. Geschrieben wurde er offenbar direkt vor den Anschlägen des 11.September, erschienen ist er kurz danach. "First Monday" ist eine aufregende Neuentdeckung, hier zum gleichen Thema die Anwendung auf Al Queda.

Noch mehr Links:

Der Ronfeldt/Arquilla-Aufsatz ist ein Auszug aus dem 10. Kapitel einer Publikation des Think Tanks RAND, herunterladbar hier.

Welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf die Politik von Rumsfelds Defense Department und den amerikanischen Geheimdienst haben? Diese Los Angeles Times Kolumne von William M. Arkin ist trotz erforderlicher Registrierung ein Must-Read. (Via CounterPunch, via RobotWisdom).

Wahrscheinlich reicht das für einige schlaflose Nächte, aber hier ist auch noch die Seite, die solche Informationen archiviert und ordnet: Gyre.org, "Tracking the Next Military and Technological Revolutions".


1.11.02

Noch einmal E-Learning. What Works: Strategies for Increasing E-Learning Usage, ein Report von Brandon-Hall, wird im elearningmag besprochen.

31.10.02

Einmal um den Block, bevor der November ihn ganz einholt...



Nicht so neu und einzigartig wie in diesem "Strategy+Business"-Artikel dargestellt, aber immerhin eine sehr leicht lesbare Einführung in Netzwerkanalyse: "Karen Stephenson’s Quantum Theory of Trust" von Art Kleiner. (via SynapShots, 30.Oktober - kein Permalink, der springt an die falsche Stelle)

Die an sich simple Idee ist, dass es in einer Firma vielfältige Kommunikations- und Machtstrukturen gibt, die nur zum Teil mit dem "offiziellen" Organisationsplan übereinstimmen. Beispiele aus dem Artikel:

1. Das Arbeitsnetzwerk: Mit wem tauscht man im Rahmen der täglichen Arbeitsroutinen Informationen aus?
2. Das soziale Netzwerk: Mit wem trinkt man einen Kaffee und findet heraus, was "ab geht"? Hier geht es um Vertrauen und persönliche Beziehungen, und davon kann es in einer Organisation sowohl zu wenig als auch zu viel geben.
3. Das Innovationsnetzwerk: Mit wem kann man neue Ideen durchspielen?
4. Das Expertennetzwerk: An wen wendet man sich, um Rat und Hilfe zu bekommen?
5. Das Karriere- oder strategische Netzwerk: Wer kann Ratschläge für die berufliche Zukunft geben?
6. Das Lernnetzwerk: Mit wem arbeitet man zusammen, um bestehende Prozesse und Methoden zu verbessern?

Die entsprechenden Netzwerke in einer Firma zu identifizieren, kann eine sehr sinnvolle Methode sein, Problemstellen zu finden (wenn etwa ein wichtiger Experte sozial nicht anerkannt und strategisch isoliert ist), oder Veränderungen anzustoßen: Welches sind die Personen, die in dieser Frage den größten Einfluß haben werden?

Karen Stephenson konzentriert sich besonders auf das Thema Vertrauen: Kollegen, die sich vertrauen, teilen Wissen miteinander, und dadurch sinken Transaktionskosten: Produktions- und Innovationsprozesse werden schneller und billiger.

Beunruhigend ist natürlich, dass solch eine Analyse auch genau umgekehrt eingesetzt werden kann. Der Artikel nennt Stephensons Arbeit für die Forschungsabteilung des amerikanischen Verteidigungsministeriums, wo es um Al Queda geht. Man entferne eine zentrale Person aus einem Vertrauensnetzwerk, und da reicht manchmal schon das gezielte Streuen von Gerüchten, und die Kommunikation ist empfindlich gestört. Es ist nicht schwer, sich andere Einsatzbereiche vorzustellen.

30.10.02

"It's not the learning that's important - it's the doing." Internet-Times Jay Cross über E-Learning. Konkrete Beispiele dazu, wie Lernen und Bottom Line zusammenhängen. Und eine ungewöhnliche Präsentation: Ich höre ihn im Hintergrund reden, während ich dies schreibe. Am Schluss die Frage: Mitarbeiter nutzen E-Learning nicht wie erwartet, sie ignorieren es, steigen zwischendrin aus - warum? "Wenn Ihr E-Learning ein Auto wäre, welche Marke hätte es? Preisen Sie es an, und machen Sie es sexy!"

Was ja wohl für jeden Bereich des Change Management gilt. Einfach Technologie zu implementieren und dann einen Artikel in der Mitarbeiterzeitschrift zu lancieren erinnert an die Art von Investition, die Dilberts Pointy-Haired Boss gerne macht: "Sollte ich das Geld in diese aussagelose Werbekampagne stecken, oder gleich in den Abfluss schütten?" Mitarbeiter mit der eigenen Begeisterung anzustecken, ihnen den potentiellen Vorteil für die Firma und sich selbst zu zeigen, ist ein Prozess, der Überzeugungskraft, aber vor allem auch eine klar definierte Nutzanwendung braucht. Am besten "Damit verdienen wir Geld!"

(via elearningpost, via Mathemagenic)

29.10.02

So soll man in einem Wochenmagazin schreiben. Die Weekly Review-Kolumne von Harper's Roger D. Hodge ist genau, relevant, engagiert und ironisch elegant. So gern lese ich nur noch Paul Krugman, und das ist wieder ganz was anderes.
Der Economist über Computer- und Datensicherheit. Die Story stellt Sicherheit in den größeren Kontext der sich wandelden Rolle des Computers vom Bürowerkzeug zur "Utility", einer Einrichtung der Grundversorgung wie Wasser, Strom und Telefon. Außerdem: Angst als Grundlage des Erfolgs von Firmen im Marktsegment, und warum dieser technologieorientierte Ansatz das Problem nur sehr unzureichend erfasst. (via Tomalak's Realm)
Gerade entdeckt: Zwei Wochen sind aus dem Archiv verschwunden und weder dort noch von mir selbst in den Settings zu sehen. Die von Blogger empfohlene Lösung - das Archiv aus- und wieder anschalten, republizieren - funktioniert nicht. Nicht mal mehr Permalinks auf diese Posts kamen an. Es gibt eine Quick-and-Dirty-Lösung: Wenn ich einen längeren Zeitraum auf der Hauptseite sichtbar mache, stellt sich heraus, dass alles noch da ist.

Repariert sich das von selbst? Oder kennt jemand das Problem und weiß Rat?

28.10.02

"Building Online-Communities". Gute Beobachtungen und Hinweise im O'Reilly Network, von jemandem, der offensichtlich weiß, wovon er redet. (via Thorsten Köster)
Am Ende eines langen Tages, rotäugig, und nicht so sicher, wie ich all die gefundenen Informationen jemals unter einen Hut bringen kann. Ob eines der demnächst erscheinenden Tools, die Dan Gillmor vorbespricht, Abhilfe schafft? Oder werde ich wieder nur noch mehr Blogs und News-Seiten abonnieren???

Apropos "rotäugig": Halloween ist in drei Tagen, und Hi Monkey! hat Schritt-für-Schritt-Anleitungen, den Kürbis auszuhöhlen oder selbst herumzugeistern.
"As I was turning the corner of Broadway and 95th street, I saw a high school girl running up 95th Street, towards Amsterdam Avenue. She did not seem very athletic and had no chance to outrun a man who was speeding after her. He was in his 40’s maybe, not too badly dressed, maybe of Indian descent. He was swinging a long metal bar."

Beginn einer New Yorker Alltagsgeschichte, erzählt von Witold Riedel.