23.11.02

Wir schaffen das selber. Periodische Hysterie und ewige Geduld: Moritz Rinke im Tagesspiegel über die Deutschen und ihre Wirtschaftskrise.

Satire ist gut, Ideen, wie man's besser machen könnte, sind besser - also ein Nachtrag: Synapshots weist auf den Artikel Societal Learning - Creating Big-Systems Change von Steve Waddell hin.

Große gesellschaftliche Probleme bedingen innovative Lösungsansätze: Kooperationen des öffentlichen Sektors, der Gemeinnützigen und der Privatwirtschaft. Ja genau, das haben wir eigentlich schon zu oft gehört. Aber dann wird's doch sehr spannend, nämlich wenn er systemtheoretisch argumentiert und diese ungewohnten Kooperationen als Auslöser für double- und triple loop learning sieht, also als Gelegenheit, Annahmen über den Gegenstand zu korrigieren, und dann sogar die eigenen Denkmuster.

Gute Beispiele, eine Auflistung, was jeder Sektor durch diese Kooperationen gewinnt, und eine Checkliste, ob dieser Weg gangbar ist. "Are key stakeholders willing to explore opportunities together?" Hmm.
Und, weil's so schön ist, gleich noch eine Seite, über die alle schreiben: Gepflegte Samstagabendunterhaltung mit einem Drink in der Kunstbar.
Mike muss berühmt werden, und zwar schnell. Sehr witziges Experiment - wie bald erreichen Memes die kritische Masse?

22.11.02

Ob AOL's neuer CEO der Aufgabe wohl gewachsen ist? Kann man noch mehr herumdrucksen - hier geht's nur darum, eine Weihnachtsfeier abzusagen! (via etter det vi erfarer)
Können wir Bewusstsein verstehen? Vielleicht nicht. Den Versuch ist es trotzdem wert. David Weinberger im KM World Magazine für den Wissensdrang, und gegen den Glauben, dass Hard- und Software, so sie denn nur weit genug entwickelt werden, selber Bewusstsein haben könnten - Kurzweils Intelligente Maschinen.

"Just as we sometimes confuse a business with the spreadsheet that represents it and as we sometimes over-systematize knowledge in order to manage it, the belief that someday we'll create conscious computers seems to me not arrogant but ungrateful."

(via elearningpost)
Seit ein paar Tagen will ich BlogStreet erwähnen, noch eines dieser praktischen Suchwerkzeuge. Die eigentliche Suchfunktion ist sicher noch verbesserbar (aber Daypop ist ja wieder da!) - sehr nett jedoch die Blog Neighbourhood, die verwandte Weblogs findet, Blog Back (Wer hat wen auf der Blog Roll?), und die RSS Feeds, die bei einer Auflistung gleich mitgeliefert werden.
Martin Roell gibt einen Vortrag von Richard Potter auf der KM Europe wider. Guter Lese- und Denkstoff: Woran Wissensmanagement scheitern kann, und warum diejenigen, die lernen und wissen wollen, im Mittelpunkt stehen müssen.
David Skyrmes November-I3-Update berichtet noch einmal von der KM Europe, enthält einige interessante Buchbesprechungen, und unter dem Titel "ARE YOU EXPLOITING YOUR KNOWLEDGE ANCHOR?" einen guten Artikel zum persönlichen Wissensmanagement.

Die meisten von uns haben sich wahrscheinlich schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie bestimmend für sie bestimmte Aspekte ihres Arbeitslebens, z.B. inhaltliche Herausforderung, Unabhängigkeit, Sicherheit oder Kommunikation sind. Wer sich für die Beamtenlaufbahn entscheidet, wird da andere Prioritäten haben als die meisten Freiberufler. Analog zu Edgar Scheins "Karriere-Anker" entwickelt Skyrme dann Rollen im Wissensmanagement, die jeweils auf bestimmten Stärken und Vorlieben aufbauen:


"The expert - you have expertise in a domain of knowledge or a particular skill. You enjoy honing your knowledge and exercising your core skills. You are the recognized "expert" and stay with your choosen knowledge domain over many years.

Knowledge analyst - you love assimilating knowledge from many sources. You have many of the attributes of the expert (but are perhaps not as self-opinionated or self-promotionalist) and also of the packager. Others respect your views and like your 'rational' knowledge to support their arguments.

Knowledge leader - you have a broad area of knowledge and build bridges between knowledge (and people) in different domains. You are a generalist, not a specialist. You see the big picture and how knowledge supports organizational objective. You're the future CKO or CEO.

Knowledge networker - you are a knowledge broker and connector. You connect people to people and people to knowledge. A hybrid of expertise and leadership - you're scope is not too broad and you have a large address book. You don't know all the answers yourself, but you know a person who does.

Knowledge custodian - you like everything to be in its proper place. You love classifying knowledge and organizing content into taxonomies. You get upset if knowledge renegades upset the system. You're probably the knowledge centre manager.

Knowledge creator - you're an ideas person. Always thinking of new things to do, you never seem to have time to see them through to implementation. Your thinking goes off in several directions but you do come up with breakthrough ideas and innovative approaches.

Knowledge entrepreneur - you may not have the best ideas yourself, but you do recognize those that have potential. You are the bridge between the creator and the packager. You have a good story to tell and are committed to making a difference.

Knowledge packager - if you didn't do knowledge work you would probably be an engineer or mechanic. You assemble all the knowledge components to make something worthwhile. You help knowledge creators realize their dreams.

Knowledge visualizer - you like pictures, so you get away from those boring bulleted Powerpoint slide shows. You make your points in images, diagrams and perhaps even cartoons and music.

Knowledge activist - you are committed to a cause and will marshal the knowledge you need to support your case. You can also be a knowledge maverick, questioning the status quo and raising doubts in others about the efficacy of their hard-won knowledge. Although an irritant to the powers that be, it is often you who initiates change.

Knowledge seeker - ever curious, you are always asking "why" and seeking new knowledge. Even after you retire, you will go on knowledge delivery cruises to new exotic locations. The pursuit of knowledge for your personal fulfilment is your key driver. You couldn't care less if it's useful to others or not, but are always willing to share it enthusiastically.

Storyteller - you cut into the bullshit and encapsulate knowledge into highly memorable stories. You have a strong imagination and look for analogies and metaphors. The fact that storytelling is now a tool for corporate knowledge management means that you should have a bright career ahead - even if you did get turned down for the Edinburgh Festival fringe!"


Ich wäre todunglücklich als "Expert" oder "Custodian" - in "Leader", "Networker", oder "Entrepeneur"-Rollen kann ich dagegen viel bewegen. Machen mein Lebenslauf oder meine Selbstdarstellungen das deutlich? Na ja, mehr oder weniger. Da steht mal eine Überarbeitung an.

(Die November-Ausgabe ist noch nicht online, sollte aber in den nächsten Tagen hier erscheinen. Abonnieren kann man auch.)

21.11.02

Topic Maps in Content Management. Via Column Two ein Aufsatz von Lars Marius Garshol, den ich mir bei Gelegenheit noch mal genauer ansehen muss.

Die Probleme einer hierarchischen Einordnung von Information sind bekannt: Dokumente sind in unvorhergesehenen, also innovativen Kontexten nicht verfügbar, von dem Chaos, das einsetzt, wenn verschiedene Administratoren ihre je eigene Interpretation der Hierarchiebäume einbringen, gar nicht zu reden. Suchwerkzeuge, Links und Metadaten, oft als Hilfsmittel auf alte Systeme aufgepfropft, helfen da nur bedingt.

Die Topic Maps dagegen sind eine flexible Referenzebene, die über die tatsächlichen, ungeordneten Wissensobjekte gelegt wird und anhand von Meta- und Metametadaten diese Objekte nach aktuellen Bedürfnissen organisiert.
"Well, as we pointed out in Cluetrain, business is thick with the language of shipping. We have something we call 'content' that we 'load' into a 'channel' and 'address' for 'delivery' to a 'consumer' or an 'end user.' Even a category as human-oriented as customer support talks about 'delivering' services (...)

This was the problem with all these dot-com acronyms with a 2 in the middle -- B2B, B2C and so on. 'To' was the wrong preposition. As Christine Boehlke put it to me once, the correct middle letter should have been W, because in a real marketplace we do business with people not to them. Does anybody ever shake hands and say 'Nice doing business to you!'? Because the Net is more fundamentally a place than a pipe, we do business with each other there, not just to each other. Critical difference. "

(Doc Searls in einem Interview auf "Creative Commons", via BoingBoing)

19.11.02

Was war das? Mindestens eine halbe Stunde lang fast alle amerikanischen Domains weg - ist das ein neuer Versuch, das Internet zu hacken?
Wissen ist Macht. Das Land, das aus Rücksicht auf Persönlichkeitsrechte nie einen Personalausweis oder Meldepflicht eingeführt hat, will eine "Total Information Awareness" aufbauen, gegen die die Schnüffeleien der Stasi dilettantischer Kinderkram sind.

Das "Information Awareness Office" des Pentagon wird, falls der Senat in dieser Woche den Homeland Security Act verabschiedet, eine gigantische Datenbank einrichten - sämtliche Kreditkartentransaktionen, Reisen, Studienunterlagen und Surfprotokolle, einfach alles, was an Information über Personen erhältlich ist. Das erinnert an sich schon an "1984" und "Brazil".

Die Gänsehaut verstärkt sich, wenn man sich darüber Gedanken macht, welche Qualifikationen John Poindexter in dieses Amt gebracht haben. Dies ist der Mann, der nur aufgrund von Zeugenimmunität 1990 nicht für seine unter Reagan eingefädelten Iran-Contra-Transaktionen zur Verantwortung gezogen wurde. Skrupellosigkeit und Vasallentreue - das sind anscheinend die Eigenschaften, die jemand mitbringen muss, um unter der Bush-Regierung ein Data-Mining-Projekt dieses Ausmaßes zu leiten.

Unter den Artikeln und Kolumnen dazu zu Recht viel zitiert "You are a Suspect" des erzrepublikanischen New York Times-Kolumnisten William Safire (hier eine ohne Registrierung zugängliche Kopie).

Nachtrag: Offenbar ist sogar schon der erste Auftrag vergeben worden. BoozAllenHamilton macht es. (via The Straits Times, via Harper's Weekly)

18.11.02

Ton Zijlstra und Martin Röll haben natürlich völlig recht, wenn sie beklagen, wie sehr die KM Europe von Softwarefirmen dominiert war, und dass es in zu wenigen Präsentationen um Konzepte und Selbstverständnis ging.

Wissensmanagement ist eine äußerst selbstreferenzielle Disziplin. Wir verständigen uns über unsere Arbeit, und entwickeln gleichzeitig eben diese Verständigung weiter. Das scheint für Praktiker und Wissenschaftler ganz gut zu funktionieren: Ein schönes Beispiel aus den letzten Tagen ist die auf McGee's Musings angestoßene und unter anderem von Ross Mayfield weitergeführte Diskussion um verschiedene Arten expliziten Wissens, und die verschiedenen Ansprüche, die sie an Wissensmanagement stellen.

Nun ist Software leichter verkäuflich als Selbstreflektion, und ein Messestand will natürlich bezahlt sein. Verwunderlich finde ich es aber doch, wie auf diesen Ständen und bei Produktpräsentationen immer noch die gleichen Mantras heruntergebetet werden wie vor zwei Jahren. Lösungen, die sich nicht auf spezifische Probleme maßschneidern lassen, und die nicht gut in Arbeitsprozesse integrierbar sind, werden nicht mehr lange Abnehmer finden. Eigentlich sollte das für Software-Anbieter Grund genug sein, in den Dialog einzusteigen. Warum also klappt die Kommunikation nicht, warum kommt bei Sales-Leuten nicht an, daß ihr Markt sich fortbewegt hat? Das wär doch mal was für Wissensmanager ;-)

17.11.02

Netzwerkanalyse mal anders: Hier "Who is [eigener Name]?" eingeben, und dann ziemlich erschrecken, dass da eine ziemlich vollständige Liste der Leute, mit denen man netzöffentlich in Verbindung steht, auftaucht.

Gut für Info-Sucher, aber trotzdem bin ich da tatsächlich mal froh über meinen 08/15-Namen, der mich mit vier oder fünf anderen Andrea Janssens in einen Topf wirft...

Gefunden bei Rageboy, der der Sache noch einen ganz anderen Dreh gibt: Selber gucken!
Zurück aus London. Regen, schlecht geheizte Hallen und ein Feuerwehrstreik, dem sich die Public Transport-Angestellten solidarisch erklärten - irgendwie kam mir das alles noch bekannt vor. Aber auch Glücksmomente bei Treffen mit alten Freunden, oder beim Spaziergang über die Millennium Bridge. Ich bin also froh, dass ich gefahren bin, und das nicht wegen des großen Haufens bunt bedruckten Papiers, der jetzt auf meinem Schreibtisch liegt. Weil die Arbeit drängt, nur ganz kurz ein paar Highlights.

Die K-Blogger fanden einander, und Ton Zijlstra (Interdependent Thoughts) und Sam Marshall (Intellectual Capital Punishment) haben jetzt Gesichter und Stimmen - da entsteht so etwas wie ein europäisches Netzwerk. Was zu zwei Plänen geführt hat:

1. Das KnowledgeBoard, schon früher hier vorgestellt, wird in Zukunft mehr von mir hören.

2. Der Trend geht zum Zweitblog. Nachdem wir David Gurteen getroffen hatten, brüteten Martin Röll und ich, beide nur bedingt glücklich mit der Idee eines gemischtsprachigen Blogs, die Idee aus, in ein paar Wochen eine englischsprachige Kollaboration zu starten. "Flying K-Rolls made in East Germany"? Nee, vielleicht doch noch noch mal über den Namen nachdenken. Stay tuned!

Außerdem sehr inspirierend: Eine Präsentation von Tony de Bree, Project Manager eTrust bei ABN Amro: "A practical, inter-disciplinary approach for implementing the learning organisation". Wissensmanagement klar in einen dynamischen Strategieansatz eingebunden, der nie das Kosten-Nutzen-Verhältnis aus dem Blick verliert. Und genau dieser pragmatische Blick ist es, der Beziehungen und Vertrauen in einer Firma in den Mittelpunkt rückt: Erst dadurch werden erfolgreiche Kollaboration und Veränderung möglich.